Warum hört man im Zusammenhang mit Kali meist nur von Stockkampf oder Waffenkampf?
Kali ist eine kompakte und umfassende
Kampfkunst
, welche die Verteidigung mit und ohne Waffen unterrichtet. Das Kali hauptsächlich Stock- und Waffenkampf sei, ist eine in Europa und in Amerika immer noch verbreitete Meinung, die hauptsächlich in halbinformierten Kreisen zu finden ist.
Auf den
Philippinen
wird Kali von Anfang an als ein kompaktes System unterrichtet, daß mit denselben Bewegungsgrundlagen und Kampfprinzipien in der waffenlosen und in der bewaffneten (Stock, Messer, Schwert) Auseinandersetzung eingesetzt werden kann. Das Training mit Stock (Schwert), dem Messer und das waffenlose Training ergänzen dabei einander und helfen dem Trainierenden, Schnelligkeit, Mut, Kraft und Verstand in ausgewogenem Maß zu entwickeln! Das gilt natürlich nur, wenn von guten Trainern gelernt wird.
Das sich die Vorstellung von Kali als reiner Waffenkunst so hartnäckig hält, hat im wesentlichen drei Ursachen:
1. Ursache: Kali gilt als 'die
Kampfkunst
', wenn es um Messerverteidigung und
Stockkampf
geht.
Während es viele Verteidigungskünste gibt, die gute waffenlose
Kampfkunst
anbieten, genießt die philippinische
Kampfkunst
eine unbestrittene Sonderstellung, wenn es um realistisches Training für die Verteidigung mit und gegen Waffen - speziell Messer - geht. Für viele Kampfsportler ist realistischer
Stockkampf
bzw.
Messerkampf
automatisch verknüpft mit philippinischer
Kampfkunst
. Einige machen nun fälschlicherweise den Umkehrschluß und denken, philippinische
Kampfkunst
sei ausschließlich
Stockkampf
bzw.
Messerkampf
. Damit liegen sie aber falsch.
2. Ursache: Trainer erlernen Kali als sinnvolle Ergänzung zu ihrem waffenlosen Kampfsystem
Die Feinheiten und das höhere Verständnis der philippinische Kampfkünste, wie z.B. das
Pekiti-Tirsia Kali
, wurde lange Zeit als Familienschatz gehütet, und nicht öffentlich unterrichtet. Noch heute sind Schulen für philippinische
Kampfkunst
sehr selten im Vergleich zu Schulen, die konventionelle waffenlose Kampfsportarten anbieten. Da philippinische
Kampfkunst
sehr ausgefeilte und beeindruckende Kampf- und Trainingsmethoden für Waffenkampf anzubieten hat, hatte Kali sehr schnell den Ruf 'das Waffensystem' zu sein. In der Folge war die philippinische
Kampfkunst
lange ein Geheimtip, der unter erfahrenen Kampfkünstler gehandelt wurde, die ihre Kenntnisse mit der praxisbezogenen Fähigkeit in der Verteidigung mit und gegen Waffen vervollständigen wollten. Da also viele Schüler schon Erfahrung in anderen nur waffenlosen Systemen hatten, haben sie den waffenlosen Teil von Kali z.T. nie gesehen oder sich nie wirklich dafür interessiert. Da diese Leute selbst oft schon Trainer für andere Systeme waren, übernahmen Sie den Waffenaspekt von Kali als Teil Ihres Unterrichtsprogrammes und stärkten so, gewollt oder ungewollt, den Eindruck, daß philippinische
Kampfkunst
nur Waffenkampf sei. Heutzutage ist es glücklicherweise möglich, philippinische
Kampfkunst
vollständig, als kompaktes System zu erlernen.
3. Ursache: Stocktraining ist eindrucksvoll und fasziniert Aktive wie Zuschauer
Die Frage nach waffenloser
Selbstverteidigung
wird oft gestellt, weil im Kali nicht nur waffenlos sondern auch viel mit Hilfe des Rattanstocks trainiert wird. Da unerfahrene Zuschauer dazu neigen, sich vor allem an das beindruckende Stocktraining zu erinnern, kommen sie häufig zu der falschen Annahme, Kali sei ausschließlich Stockkämpfen. Doch die besondere Struktur des
Pekiti-Tirsia Kali
erlaubt es, das am Stock erlernte direkt für die waffenlos Verteidigung anzuwenden. Ellbogen, Knie, Hand, Fuß, Hüfte, Schulter, Unterarm und Kopf sind die
Körperwaffen
, die typisch im Kali gerne eingesetzt werden. Ein geübter Kali-Kämpfer mag unbewaffnet sein, aber er ist nie wehrlos.
Welche Waffen werden im Pekiti-Tirsia Kali verwendet?
Am Anfang des Trainings wird bevorzugt mit einem Stock mittlerer Länge (ca. 70 cm) trainiert. Dieser steht für eine "universelle" Waffe, kann also gleichermaßen ein Schirm, ein Schwert oder ein Baseballschläger sein. Im Kernsystem des
Pekiti-Tirsia Kali
werden folgende Kategorien trainiert: Einzelstock (Schwert), Doppelstock, Messer, Espada y Daga (lange und kurze Klinge) und
Körperwaffen
. Für Fortgeschrittene werden auch ergänzende Methoden, wie z.B. flexible Waffen (Schal, Schlüßelkette,...) und Langstock / Speer (Malayu Sibat) unterrichtet.
Innerhalb des Pekiti-Tirsia Systems gibt es auch Spezialsysteme, z.B. für Polizei und privates Sicherheitspersonal. Für diese werden je nach Ausrüstung und speziellen Anforderungen flexible Waffen, Schlagstock oder Teleskopstock und auch Schußwaffen unterrichtet. Trainingsschwerpunkte sind Knife-Awareness (Klingenbewußtsein) und selbstsicheres Auftreten, Präzision und Geschwindigkeit sowie die Fähigkeit, die Kontrolle über die (eigene) Waffe zu behalten ("Weapon Retention").